„Es gibt eine Verpflichtung gegenüber der Ausbildungsstätte.“ Interview mit dem DOG-Präsidenten

Die DOG 2014 steht unter dem Motto „Qualifikation verpflichtet!”. Kongress-Präsident Professor Johann Roider erklärt, warum er dieses Motto gewählt hat, welche Neuerungen es gibt und auf welche Highlights sich die Teilnehmer freuen können.

Frage: Herr Professor Roider, Sie haben das Kongress-Motto „Qualifikation verpflichtet!” gewählt. Worin besteht diese Verpflichtung?

Roider: Zunächst einmal zwischen Ausbildern und Auszubildenden. Leider entsteht zwischen Lehrern und ehemaligen Schülern heute oft eine Konkurrenzsituation. Beispielsweise, wenn ein hoffnungsvoller Facharzt, nachdem er ausgeschieden ist und nun in eigener Praxis arbeitet, sich gegenüber den Kassen einen Vorteil zu verschaffen versucht, indem er erklärt, er könne eine bestimmte Operation besonders schnell durchführen. Dieser Kollege sollte nicht vergessen, dass er selbst einmal langsam war, als er ausgebildet wurde! Wenn das Geben und Nehmen zwischen den Generationen zerbricht, der gegenseitige Verpflichtungspakt aufgekündigt wird, wer soll dann in Zukunft junge Mediziner anleiten? Es gibt große Einrichtungen, die sich qualifizierte Ärzte einkaufen, aber selbst nicht ausbilden – wäre es nicht recht und billig, sie zahlten Ablösesummen an die Universitäten? Dies geht in der Medizin vermutlich nicht, zeigt aber pointiert das Problem! Aber auch das Wissen, das man erworben hat, ist eine Verpflichtung. Dazu gehört, dass klinisch tätige Ärzte ihre Ergebnisse präsentieren und ihre Ergebnisse zur Diskussion stellen. In den USA ist dies Routine, dort arbeitet z.B. die Retina-Praxis mit der Universität zusammen, klinische Forschung hat Anteil und Gewicht. Wir müssen uns der offenen Diskussion stellen, sonst geht Wissen verloren.

Frage: In den vergangenen Jahren gab es einige Neuerungen auf dem Kongress. Was erwartet die Kongressbesucher in diesem Jahr?

Roider: Das Format „DOG Kontrovers“ ist neu. Wir wollen dort wesentliche Fakten pro und contra darstellen, klar benennen, was gut und was schlecht ist, sowohl für neue als auch für etablierte Therapien. Ein Klar-Sprech-Format gewissermaßen, zu dem mich TV-Sendungen, aber auch amerikanische Kongresse inspiriert haben. Als Themen sind beispielsweise Ocriplasmin versus Vitrektomie, Femtosekunden-Kataraktchirurgie, Crosslinking und Nahrungsergänzungsmittel vorgesehen. Debattenwürdig ist auch das Silikonöl, das zunehmend häufiger verwendet wird und meiner Einschätzung nach in einer Beziehung zum unklaren Visusverlust steht. Zur Sprache kommen soll auch die Strahlentherapie bei AMD, die mit aller Macht vorangetrieben wird, obwohl ihr Stellenwert noch gar nicht beschrieben ist.

Frage: Auf welche wissenschaftlichen Highlights dürfen sich die Teilnehmer freuen?

Roider: Aus meiner Sicht zählen auf alle Fälle die Lasersymposien dazu. Wir leben in einer injektionsbetonten Ära, der Laser scheint ins Hintertreffen zu geraten. Doch bei manchen Erkrankungen wie etwa der diabetischen Retinopathie tut sich in diesem Bereich sehr viel. Mehrmaliges und schonendes Lasern kann heute eine Stabilisierung der Erkrankung bewirken. Darüber hinaus finden Symposien zu Themen statt, die nicht unbedingt zum etablierten Fortbildungskanon gehören – etwa am Donnerstag zu okulären Lymphomen sowie zum „Mysterium Glaskörper“ oder am Freitag über „The innate immunity in the retina and choroid“. Weiteres Highlight: Am Samstag wird Michael Trese, ausgewiesener Frühgeborenen-Spezialist aus Detroit, dazu beitragen „How to understand ocular biology and optimize intravitreal therapies“. Und natürlich zählt das Consilium diagnosticum zu den Höhepunkten!

Frage: Was ist aus Ihrer Sicht besonders relevant für die Praxis?

Roider: Sicherlich das DOG-Update. Dort präsentieren Experten alle relevanten Neuerungen, die für niedergelassene und primär klinisch tätige Augenärzte wichtig sind.

Frage: Ihr persönlicher Tipp für den Kongress?

Roider: Ich freue mich besonders auf „DOG Kontrovers“ zu Netzhaut und Vorderabschnitt, das dürfte spannend werden. Auch das Geriatrie-Symposium ist ein zukunftsträchtiges Themenfeld, das bisher in der Augenheilkunde zweifellos unterrepräsentiert ist.